Dialog ist etymologisch aus dem Griechischen abgeleitet: dia-logos, wobei dia- „durch/hindurch“ und logos „Wort, Rede, Vernunft“ bedeutet – also „durch Worte hindurchfließender Austausch“.
« Konstruktiver Dialog »
ist eine Gesprächsform, bei der Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven versuchen, einander zu verstehen – ohne ihre eigenen Überzeugungen aufzugeben –, um gemeinsam zu leben, zu lernen und zu arbeiten – bzw. um etwas über uns selbst, den anderen und das Thema zu lernen. Es eignet sich besonders gut für die Auseinandersetzung mit wichtigen, komplexen Themen, die Menschen oft entzweien.
« ENT‚WICKLUNG »
Jesper Juul
« Es entspricht der menschlichen Natur,
sich ein Leben lang zu entwickeln.
Und jede zwischenmenschliche Interaktion,
die diese Entwicklung behindert,
muss als Unterdrückung betrachtet werden »
« REIFE »
#Epigenetik (um-Feld)
« Arbeit als Mittel zur psychosozialen Reifung,
nicht als Fetisch, die Entwicklung hemmt »

In der (deutschen) Schulbildung werden schrittweise vor allem ein sachlicher, argumentativer und später ein akademisch‑wissenschaftlicher Schreibstil vermittelt. Sie alle zielen darauf, klare, strukturierte und begründete Texte zu verfassen, die im Hochschulstudium weiter ausgebaut werden. Eine zunehmende Diskrepanz zwischen dem, was das Bildungssystem fördert (rational, wettbewerbsfähig), und dem, was menschliche Gesellschaft bedingt (Empathie, Zusammenhalt, Nachsorge) ist für immer weitere allgegenwärtig vernehmbar. Diese Kluft wirkt sich auf Recht, Politik und Ethik aus – und führt zu einem strukturellen Missverhältnis, das viele als „Krise der Werte“ beschreiben. Ein „symptomatischer“ Zustand, dessen Umtrieb durch kollektivierter Transformationsströmungen aus einem entschleunigtem Blickwinkel betrachtet werden darf. Was alles ist nötig damit das konzeptuelle eines Dialoges letztlich Früchte tragen kann? Der Vortrag „Viren des Geistes“ bietet einen spannenden Bogen um a) „destruktiven Kommunikation“ klarer erfassen und die (unterbewusste) Intonations-Dynamik dabei näher beleuchten zu können, womit die vier D’s in ihrer Aus.Richtung angenommen, abgelehnt oder umgeformt werden können – jeh nach „Mem“ 😉
10.2 Der Dialog1
Anhand der obigen etymologischen Abgrenzungen (s.10.1 w.u.) ergibt sich bereits ein erster Anhaltspunkt zur Bestimmung dessen, was man unter Dialog verstehen kann. Isaacs (1999) definiert bzw. unterscheidet den Dialog, die Diskussion und die Debatte wie folgt: Jedem dieser Gesprächsformen liegt die grundlegende Entscheidung zugrunde, ob man primär an seinen Ansichten und Positionen festhalten will oder bereit ist, diese bewusst loszulassen.
Ist man bereit diese aufzuheben, begibt man sich in einen Dialog – hält man daran fest, so begibt man sich in eine Diskussion oder Debatte.2
Der Dialog ist dadurch gekennzeichnet, dass man sich nicht mit seinen Ansichten identifiziert und unvoreingenommen zuhört. Hieraus kann das entstehen, was Isaacs (1999) einen ‚reflektiven Dialog‘ nennt, bei dem man die einem Problem zugrunde liegenden Ursachen, Regeln, Annahmen untersucht, um so zu einem tieferen Verständnis, zu grundlegenden Fragen oder Sichtweisen zu gelangen. Hieraus kann ein ‚generativer‘ Dialog entstehen, in dem ein kollektiver ‚Flow‘ und ganz neue Möglichkeiten entstehen.
10.1 Ausgangslage und Herausforderung
Der Dialog ist eine bestimmte Art, miteinander zu kommunizieren. Er stellt sowohl auf eine echte menschliche Begegnung also auch darauf ab, unsere oftmals unbewussten Annahmen über die Wirklichkeit zu erkunden und zu hinterfragen. Hierzu wird der Kommunikationsprozess verlangsamt, um Zeit für Reflexion zu gewinnen. Da dies ein gegenseitiger Prozess ist, wächst sowohl Einsicht als auch Verständnis für die Weltsicht aller Beteiligten am Dialogprozess. Der Dialog wirkt damit sowohl auf psychischer als auch sozialer Ebene.
Auf psychischer Ebene geht es um das Erkennen der eigenen unbewussten Vorannahmen, die unser Denken und Handeln steuern. Typischerweise tauchen unsere Gedanken (Ideen, Meinungen, Bewertungen usw.) blitzschnell auf. Probleme entstehen dadurch, wenn man sich mit diesen Gedanken identifiziert 3 und die Überzeugungen über den Gesprächspartner zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. Durch die Verlangsamung im Dialog können die Grundlagen dieser Gedanken jedoch ergründet werden. Sieht man unsere Gedanken metaphorisch als Blätter, und unser Denken als Blätterrascheln an, so kann im Dialog der Zweig, an dem das Blatt sitzt, zum Ast, an dem der Zweig sitzt, bis zum Stamm, an dem der Ast sitzt, und zu den Wurzeln des Stammes zurück verfolgt werden.
Auf sozialer Ebene kann der Dialog sowohl zur Bearbeitung von Konflikten, denen scheinbar gegensätzliche Interessen zugrunde liegen, als auch zur kreativen Bewältigung von Herausforderungen verwendet werden. Bohm (1998) spricht davon, dass unsere übliche Denkweise zur Analyse tendiert und dass dies unsere Wahrnehmung und unser Denken und Handeln ‚fragmentiert‘. Tatsächlich bestünde die Welt aus fließenden Übergängen und nicht aus klar voneinander abgrenzbaren Kategorien. Bohm (1998) bettet seine Überlegungen weiterhin in ökologische, gesellschaftliche und industrielle Probleme ein. Ökologische (gesellschaftliche, industrielle) Probleme entstehen durch unsere Art des Denkens und können nicht mit denselben Denkprozessen gelöst werden, die dieses Problem erst hervorbringen. 4 Nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch auf organisationaler Ebene erfordern komplexe Probleme sowohl das Revidieren von Annahmen (beispielsweise weil sich der Markt, Gesetze usw. ändern) als auch wirkliche Kooperation, d.h. das Zusammenarbeiten, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen (siehe z.B. Senge 1996; 2006, für Beispiele zur Überholung fundamentaler Annahmen über den Kunden und den Markt). Hierzu müssen Ideen ‚frei fließen‘ können, was durch autoritäre Strukturen eher verhindert wird.
Herkömmliche Verfahren wie Debatten oder Diskussionen, in denen das ‚Gewinnen‘ im Vordergrund steht, der ‚Angriff‘ auf die Positionen oder Argumente des anderen, der ‚Austausch‘ von Meinungen oder das Überzeugen der Gegenseite, erweisen sich hier oftmals als ineffektiv. Der etymologische Ursprung der Wörter ‚Debatte‘ und ‚Diskussionen‘ stellt dies auch heraus. ‚Debatte‘ und ‚debattieren‘ entwickelt sich im 18. Jahrhundert aus dem französischen débat, d.h. ‚Wortgefecht‘. Dem zugrunde liegt das lateinische Wort battere bzw. battuere, d.h. ‚schlagen‘ (Mackensen 1985, S. 94).
Man liefert sich also ein Gefecht mit Worten, mit denen man aufeinander ‚einschlägt‘. Ähnlich verhält es sich bei ‚Diskussion‘ bzw. ‚diskutieren‘, die sich im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen discutere, d.h. ‚auflösen‘, entwickeln. Der Bestandteil dis verweist dabei auf ‚auseinander‘, der Bestandteil quatere auf ‚erschüttern‘ (Mackensen 1985, S. 101). In seiner späteren Bedeutung verweist die Diskussion auf die Untersuchung, Prüfung und Revision der Staatsfinanzen (discussio, n.d.). Der Dialog hingegen hat seinen Ursprung im französischen dialogue, dem Gespräch, was sich wiederum vom lateinischen dialogus und griechischem diálogos herleitet (Mackensen 1985, S. 99).
Dynamik des Stigma
Das Stigma: ein für Dritte wahrnehmbare, negativ konnotierte Bewertung, Zuschreibung, Attribuierung. [„Stich-, Punkt-, Wund- oder Brandmal“]
innenabstand
In welcher Intensität, Art und Umfang auch immer stigmatisiert (neg. konnotiert, impliziert, suggeriert) wird, ob bewusst oder unterbewusst, das Stigmatisieren hat „Wirkung“ – auch akkumulativ. Unabhängig vom diskreditierenden Merkmal das sich der Aufmerksamkeit aufdrängt, kann das Stigma bewirken, dass wir uns bei der Begegnung von der Person abwenden und dies zur Verleugnung der gesamten Person führt (!)
innenabstand
https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stigma/14871







Angst ist ein unbestimmtes, diffuses Gefühl des Unbehagens (Enge, vom althochd. ange,), dass oft keine klar erkennbare Ursache hat, ein gegenstandsloses Gefühl.
Furcht ist eine klar definierte Reaktion auf eine konkrete, erkennbare Gefahr oder Bedrohung.
https://multipolar-magazin.de/artikel/eine-traumatisierte-gesellschaft
« Wenn ich schlimme Dinge erfuhr, störte mich das weniger, als wenn man sie mir verschwieg. Ich musste Bescheid wissen. Das Schweigen war schrecklich. Das Leben ist viel schwieriger, wenn man nicht offen miteinander reden kann. Dinge werden nicht aufgedeckt, oder sie werden missverstanden. Wenn man miteindander reden kann, dann kann man etwas verändern, die Zukunft zum Besseren gestalten. »
fUNdUs
Psychologische Operationen sind Operationen zur Vermittlung ausgewählter Informationen und Indikatoren an Zielgruppen, um deren Emotionen, Motive und objektive Argumentation und letztendlich das Verhalten von Regierungen, Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen zu beeinflussen.
Fußnote(n) / Quellverweis(e) / Link(s) / Ergänzende(s […] 🙏🏻💫❤️
- Grundlagen der Kommunikation – Gespräche effektiv gestalten – Markus Plate (utb – 3. Auflage) ↩︎
- Ergänzung s. Bildschirmausschnitt „Aufgeschlossenheit“ ↩︎
- Also Landkarte und Gebiet verwechselt, s. Kap. 8.1. (Fragen mit Struktur » R. Bandler & und Grinder) ↩︎
- Dieses Grundverständnis teilt ein anderer Physiker, nämlich Albert Einstein
(1879–1955), der dies wie folgt formulierte: „Probleme kann man niemals mit
derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Dies verweist auf die Grundidee des Reframings, bei dem es u.a. darum geht, die Kategorie des Verhaltens zu wechseln und nicht einfach nur ein anderes Element derselben Verhaltenskategorie auszuüben (s. Kap. 9 (Reframing » R. Bandler und R. Dilts). ↩︎



