Wie wir über unsere Kinder denken,
Alfie Kohn
ist nicht so wichtig, wie
sie diese Gefühle erleben und
wie sie die Art und Weise betrachten,
wie wir sie behandeln.
Dr. med. Michael Kögler – Oktober 2003
UN(ter).beswusste Kommunikation:
Entstehung und Bedeutung
👂🏻 Gut hören wird jedoch auch im doppelten Sinn gebraucht – das wissen alle, die mit Kindern als Eltern und beruflich zu tun haben – wenn man sagt: Das Kind hört nicht!* Ein solches Kind scheint nicht zu verstehen, wenn man es zum Beispiel ermahnt, oder ihm einen Auftrag gibt, oder es aber die Mitteilung versteht, macht aber trotzdem was es will und betont somit seine Autonomie, seine Unabhängigkeit. Dies geschieht oft in einer Weise, dass ein Erwachsener das Kind überhaupt nicht verstehen kann, ärgerlich wird, bei wiederholtem Auftreten auch fassungslos und hilflos. Wir sehen in einem solchen Konflikt eine deutliche Störung der Kommunikation zwischen den Beteiligten. Ein Kind, dass nicht hört – nicht hören will – wie man sagt – handelt offensichtlich unvernünftig, weil es sich viel leichter täte, dem Verlangten nachzukommen und sich und seinen Entwicklungsmöglichkeiten durch ein solches Verhalten schadet. Aber auch Erwachsene handeln unvernünftig, wenn sie in Wut ausbrechen oder hilflos resignieren.
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Trotzdem ist das Verhalten von beiden Seiten logisch, allerdings nicht logisch im Sinne von deduktiven Vernunftdenken, sondern im Sinne von psychologisch; psychologisch, wenn wir damit nicht nur das Bewusstsein meinen, sondern auch unbewusste Motive einschließen. Was will uns ein Kind, dass im übertragenen Sinne nicht hört, sagen, was will uns ein Kind sagen, dass immer wieder über Bauchschmerzen klagt, ohne dass der Kinderarzt eine organische Ursache feststellen kann. Bei psychosomatischen Störungen wie psychogenen Bauchschmerzen neigen wir im Allgemeinen dazu verständnisvoller zu sein, weil wir die dahinterstehende Not und die Botschaft erahnen.
Es geht also um gestörte oder erschwerte Kommunikation, sie hat – wie angedeutet – mit unbewussten Motiven zu tun. Um unbewusste Kommunikation zu verstehen, müssen wir einen weiten Schritt machen zur Geburt eines Babys und uns die frühkindlichen Beziehungsqualitäten ansehen. 90% unserer Kommunikation ist unbewusst, d. h. 90% der Signale die wir geben und wahrnehmen erreichen nicht das bewusstseinsfähige Groß. Ein Teil der traditionellen Psychoanalyse hatte die Vorstellung von einem autistischen Säugling, der wie das ungeschlüpfte Küken in der Eierschale in der allerersten Zeit vor Umweltreizungen geschützt ist. Für seine weitere Entwicklung wurde angenommen, dass er sich in einer passiv symbiotischen Beziehung zur Mutter befindet oder ein von seinen Trieben geplagter auf orale Befriedigung und Spannungsabfuhr versessener Säugling ist. So jedenfalls beschreibt Martin Dornes in seinem Buch „Die emotionale Welt des Kindes“ die Sicht der traditionellen Psychoanalyse vom Säugling.
Daneben hat es aber auch immer wieder Psychoanalytiker gegeben, wie z.B. D. W. Winnicott, der die primäre interaktive Bezogenheit des Säuglings und seine reale Abhängigkeit von der Umwelt betonen. Winnicotts im Ärger während einer Fachdiskussion ausgesprochener Satz: „So etwas wie den Säugling gibt es nicht!“ weist auf die primäre Bezogenheit und das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Mutter und Baby hin. […]
[…] Durch die weitgehend unerwarteten – ja wie eine Sensation empfundenen Ergebnisse der modernen Säuglingsforschung nehmen wir heute nach einem Ausdruck von Dornes einen „kompetenten Säugling“ an mit erstaunlichen Fähigkeiten ab der Geburt. So kann der Säugling bereits bei der Geburt gut hören und kann die Stimme seiner Mutter von anderen Stimmen unterscheiden. Er kann auch einen gefühlten Schnuller mit einem gesehenen Schnuller zusammenbringen. Woher weiß man das? Die Experimente der Säuglingsforscher sehen beispielsweise so aus, dass sie einem Säugling einen Schnuller mit Noppen anbieten und ihn daran saugen lassen. Dann geben sie einen glatten Schnuller und den mit den Noppen in das Gesichtsfeld des Säuglings. Man kann dann beobachten, dass der Säugling seinen Blick auf den Schnuller mit den Noppen richtet. Der Säugling kann auch die Milch seiner Mutter am Geruch von anderen Milchen unterscheiden. Bezüglich der Wahrnehmung haben Babys also bereits einen erheblichen Grad an Komplexität und Differenziertheit erreicht.
Was ihre Gefühlswelt anbetrifft, so empfinden sie nicht nur Lust und Unlust, wie man annehmen könnte, wenn man einen selig lächelnden oder einen schreienden Säugling sieht, sondern Säuglinge verfügen von Geburt an über sieben Primäraffekte, die in allen Kulturen ein spezifisches Gesichtsausdruckmuster haben. Diese Primäraffekte sind Interesse und Überraschung, Freude und Trauer sowie Angst, Ärger und Ekel. Zudem kann der Säugling bereits die Dynamik der Affekte unterscheiden, z.B. ob ein Affekt plötzlich oder langsam anschwellend auftritt, ob er überflutend ist oder der Affekt als leichte Berührung auftritt. Der Säugling ist also insgesamt aktiver Teilnehmer eines Austausches von Gefühlen und Impulsen mit der primären Bezugsperson. Dieses interaktionelle Geschehen lässt sich am besten mit einem Bild ausdrücken und zwar der Metapher eines Tanzes, welche die affektive Abstimmung zwischen Mutter und Baby ausdrücken soll. Ein Baby erlebt so seine Wirkmächtigkeit, es erfährt also wie seine Affekte und Impulse bei der Bezugsperson eine befriedigende Antwort hervorrufen. Um ein weiteres Bild zu benutzen ist die Säuglingszeit somit kein Ort, wo für das Baby Milch und Honig fließen, sondern ein Ort, an dem zwei Subjekte Milch und Honig austauschen.
Gut, soweit mal ‚ein‚ inTR° zur weitaus umfänglicheren Wahrnehmungsqualität, welche mit der Zygote in eine Ver-Bindung einhergeht, was viele Mütter in ihrer intuitiven selbst-Wahr-Nehmumg stärken darf, ihrer Um-Welt [äußerlich wie innerlich], für das Wohlergehen zu Filtern – die lebendig hütende Vibes- & FireWall.